Zeitarbeit: Wie berechnen sich die Werbungskosten für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb?

Das Finanzgericht Niedersachsen hat mit Urteil vom 28.05.2020 (AZ. 1 K 382/16) die Frage beurteilt, wie die Werbungskosten für Fahrten zwischen der Wohnung des überlassenen Arbeitnehmers und dem Betrieb, für den er abgestellt wurde, zu berechnen sind.

Der Arbeitnehmer stand in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis zum Zeitarbeitsunternehmen. Das Leiharbeitsverhältnis zwischen dem Zeitarbeitsunternehmen und dem Entleiher war hingegen immer befristet und wurde regelmäßig mit erneuter Befristung verlängert.

Insbesondere bei durch ein Zeitarbeitsunternehmen überlassenen Arbeitnehmer stellt sich immer die Frage, ob Reisekosten für die Wegstrecken zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (und damit ein Ansatz von 0,30 € je gefahrenen Kilometer) Anwendung findet oder die Regelungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. In diesem Fall sind lediglich 0,30 € je Entfernungskilometer als Werbungskosten abziehbar. Die Streitfrage rankt um das gesetzliche Merkmal der „dauerhaften Zuordnung zur ersten Tätigkeitsstätte“.

Im entschiedenen Fall ging das Finanzgericht davon aus, dass der Arbeitnehmer bereits mit Abschluss des Arbeitsvertrages fest für die Überlassung an das Entleiher-Unternehmen vorgesehen war. Er konnte sich nach Ansicht des Gerichts wie jeder andere Arbeitnehmer darauf einstellen, ausschließlich an der Betriebsstätte des Entleiher eingesetzt zu werden. Daher waren die Grundsätze über die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anzuwenden mit der Folge des Ansatzes der Kilometerpauschale je Entfernungskilometer. Die Sache ist beim Bundesfinanzhof anhängig unter dem Aktenzeichen VI R32/20. Es bleibt abzuwarten, wie der Bundesfinanzhof entscheiden wird.