Grundlegendes zur steuerlichen Behandlung von Kryptowährungen

Das Thema Kryptowährungen wird steuerlich und auch gesellschaftlich immer relevanter. Der Kryptowährungsmarkt hat mittlerweile (Stand 21.02.2021) eine Marktkapitalisierung von 1.443 Milliarden Euro und ein tägliches Handelsvolumen von 153 Milliarden Euro erreicht, der Bitcoin die Marke von 40 Tausend Euro gerissen.

Der Bitcoin und andere Kryptowährungen werden inzwischen auch in Deutschland von verschiedenen Unternehmen als Zahlungsmittel akzeptiert. Als wichtigste Kryptowährungen nach der Marktkapitalisierung sind derzeit neben dem Bitcoin (BTC) Ethereum (ETH), Binance Coin (BNB), Tether (USDT), Cardano (ADA) und Polkadot (DOT) zu nennen.

Die steuerliche Behandlung ist in vielen Bereichen noch nicht abschließend geklärt. Insbesondere die Finanzverwaltung hat sich bisher nur teilweise und zögerlich geäußert. Ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums ist allerdings in Vorbereitung.

Vor dem Hintergrund der gestiegenen Bedeutung und der Unklarheiten haben wir uns entschlossen, einige grundlegende Informationen in unseren Blog zu stellen. Da die Vereinbarungen der jeweiligen Community, die in die jeweiligen Kryptowährungen investiert ist, sehr unterschiedlich sind, kann sich auch die steuerliche Behandlung der verschiedenen Kryptowährungen unterscheiden. Hierauf ist immer zu achten. Feinheiten und Details sollten daher immer mit dem Steuerberater besprochen werden.

1. Formen des Investments:

Vom Grundsatz her sind drei Arten von Investments zu unterscheiden:

  • Handel mit Kryptowährungen,
  • Mining von Kryptwährungen,
  • Sonstige Investments.

Für die meisten Interessenten ist zunächst der Handel mit Kryptowährungen relevant. Es geht zumeist um An- und Verkauf von Kryptowährungen. Dies kann durch Kauf mit einer sogenannten FIAT-Währung – also staatlichem Geld – oder durch Tausch mit anderen Kryptowährungen erfolgen.

Das sogenannte Mining führt zur Entstehung eines neuen Blocks der sogenannten Blockchain. In der Blockchain sind mittels einer Signatur sämtliche Transaktionen gespeichert, die Eigentümer (über einen Schlüssel) und der jeweilige Schlüssel für die per Mining erzeugten Blöcke. Die Kryptowährung existiert nur auf einer Datenbank. Im Mining-Prozess wird entweder durch Einbringung erheblicher Rechnerleistung oder aufgrund der Zurverfügungstellung von Coins ein neuer Block generiert. Anschließend erfolgt eine Zuweisung der entstandenen Blocks und Coins zu dem (den) neuen Eigentümer (n), die sogenannte Block-Reward. Das Mining kann allein oder im Pool mit anderen Mitgliedern der Community erfolgen.

Inzwischen haben sich auch andere Formen des Investments herausgebildet. Die Anlage kann z.B. in der Form klassischer Kapitalanlagen erfolgen. Zu nennen sind Formen der Darlehnsgewährung, von Genussrechten oder stillen Beteiligungen.

2. Anlage als Privatperson

Vom Grundsatz her wird der An- und Verkauf von Kryptowährungen gemäß § 22 Nr. 2, § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG als Veräußerungsgeschäft bei „anderen Wirtschaftsgütern“ besteuert. Dabei unterliegt der Gewinn als Unterschiedsbetrag zwischen den Anschaffungskosten und dem Veräußerungerlös (abzgl. Kosten der Veräußerung) der Besteuerung. Sofern der Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften (also nicht nur aus der Veräußerung von Kryptowährungen) 600 EUR nicht übersteigt, bleibt der Gewinn steuerfrei.

Zu beachten ist insbesondere, dass nicht nur der Umtausch von Kryptowährungen in z.B. EUR als privates Veräußerungsgeschäft gesehen wird, sondern auch der Tausch einer Kryptowährung in eine andere Kryptowährung.

Zu beachten ist des Weiteren die Haltefrist von einem Jahr zwischen Anschaffung und Veräußerung. Sofern der Coin länger als ein Jahr gehalten wird, ist die Veräußerung im privaten Bereich steuerfrei.

Unter Umständen kann sich die Haltefrist auf zehn Jahre verlängern, wenn die Fremdwährung zur Erzielung von Einkünften genutzt wurde. Dies kann unter Umständen dann der Fall sein, wenn Kryptowährungen gegen Entgelt an Trader verliehen werden, oder z.B. im Rahmen des Minings nicht Rechnerleistung zur Verfügung gestellt wurde, sondern Coins. Zumindest die bayerische Steuerverwaltung scheint die Vorschrift entsprechend einer Verfügung aus dem Jahr 2016 im Hinblick auf die zehn-Jahres-Frist eher bürgerfreundlich auszulegen. Grundsätzlich ist hier jedoch Vorsicht geboten.

Die Finanzämter gehen davon aus, dass der einzelne virtuelle Coin sich mit anderen Coins wie Geldstücke in einem Portemonnaie vermischt. Das einzelne Geldstück ist nicht mehr relevant, sondern nur noch der Wert des Geldstücks. Daher stellt sich beim Handel mit Kryptowährungen aufgrund der erheblichen Wertschwankungen in Bezug auf die Einhaltung der Haltefrist die Frage, in welcher Reihenfolge Coins verkauft werden. Die Finanzverwaltung wendet § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 EStG an und geht davon aus, dass der erste angeschaffte Coin auch als erstes wieder veräußert wird (die sogenannte FiFo-Methode)

Beispiel aus einem Merkblatt des DWS-Verlages:

A kauft im Oktober und im Dezember 2016 jeweils 10 Bitcoins zu jeweils 5.000 €. Im November 2017 verkauft er 10 Bitcoins für insgesamt 100.000 €.

Lösung: Nach der FiFo-Methode werden die im Oktober 2016 zuerst angeschafften Coins zuerst veräußert, so dass der Veräußerungsgewinn steuerfrei bleibt.

Fraglich ist, ob mangels gesetzlicher Regelung zu Kryptowährungen auch die handelsrechtlich zulässige Last-in-First-out (LiFo) Methode zulässig ist. Diese führt bei unterjährigen Verkäufen und einem Kursanstieg zu günstigeren Ergebnissen. Es wird auch in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (zum EStG 1990) zur Besteuerung von Wertpapierverkäufen vertreten, ob nicht der Veräußerungsgewinn anhand eines zu ermittelnden durchschnittlichen Anschaffungspreises zu ermitteln ist.

Da die FiFo-Methode nach dem Gesetzeswortlaut nur für Fremdwährungen und Wertpapiere gilt, kommen die anderen Bewertungsmethoden grundsätzlich in Betracht. Mangels Rechtsprechung ist jedoch sehr ungewiss, wie die Gerichte urteilen werden.

3. Anlage als Unternehmer

Von der steuerlichen Behandlung beim Privatanleger unterscheidet sich die Behandlung beim gewerblichen Unternehmer wesentlich. Insbesondere gibt es für den gewerblichen Anleger keine Haltefrist, die eine Veräußerung steuerfrei werden lassen könnte. Die Veräußerung von Kryptowährungen im Unternehmen führt also grundsätzlich immer zu Gewinnen oder Verlusten. Dies kann hinsichtlich der Verlustnutzung vorteilhaft sein, ist aber im Hinblick auf mögliche steuerfreie Veräußerungen im Privatvermögen nachteilig. Das Überschreiten der privaten Vermögensverwaltung führt auch dazu, dass ein Gewerbe angemeldet werden muss. Zudem sind jährlich Einnahmen-Überschuss-Rechnungen zu erstellen oder gegebenenfalls ein Jahresabschluss.

4. Abgrenzung private Vermögensverwaltung und gewerbliche Betätigung

Die Frage, die sich stellt, ist, wann ein Investment in Kryptowährungen zu gewerblichen Einkünften führt. Rechtsprechung liegt in diesem Bereich ebenso wenig vor, wie Verwaltungsanweisungen.

Gewerbliche Einkünfte liegen nach der Gesetzesdefinition bei einer selbständigen, nachhaltigen Betätigung vor, die mit der Absicht betrieben wird, Gewinn zu erzielen und sich als Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr darstellt.

Hieraus dürfte geschlossen werden, dass bereits der Erwerb von Hardware zum Mining zur Gewerblichkeit führt, da erhebliche Rechnerkapazitäten vorgehalten werden müssen, um im Miningprozess den Zuschlag zu erhalten (die Block reward).

Auch dürfte die Aufnahme von Darlehn zur Finanzierung des Erwerbs der Kryptowährungen tendenziell zu einer gewerblichen Betätigung führen.

Die Umschlagshäufigkeit von Coins dürfte ebenfalls als Kriterium heranzuziehen sein, um eine Abgrenzung von privater Vermögensverwaltung (s.o.) und gewerblicher Tätigkeit vorzunehmen. Dabei führt eine Vielzahl von Transaktionen nicht automatisch zur Gewerblichkeit. Mit der Häufigkeit steigt allerdings das Risiko, ungewollt in die Gewerblichkeit zu rutschen.
Der gelegentliche An- und Verkauf für andere Personen – seien es auch Freunde oder Verwandte – bedingt nach unserer Einschätzung ebenfalls die Gefahr der Gewerblichkeit.

5. Umsatzsteuer

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2015 und auch eines Schreibens des Bundesfinanzministeriums aus dem Jahr 2018 ist der An- und Verkauf von Kryptowährungen als umsatzsteuerbefreite sonstige Leistung zu qualifizieren.

Gerne sind wir Ihnen bei der Bewältigung der steuerlichen Probleme im Bereich der Kryptowährungen behilflich und beraten Sie auch bei der Abwägung, ob Sie Ihr Investment im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung tätigen oder im Bereich des gewerblichen Handels.